Blogstöckchen: Ich möchte unbedingt lesen…

ich möchte gerne lesen...Silke Hartmann hat mir letzte Nacht ganz unverhofft ein Blogstöckchen zugeworfen. Und nachdem mein Stapel ungelesener Bücher stets gut gefüllt ist (es scheint offenbar immer mehr gute Bücher als Zeit zu geben in meinem Leben), ist es mir eine Ehre und eine Freude, es aufzunehmen und über meine nächsten Lektürepläne zu schreiben. Die Aufgabenstellung des Blogstöckchens war:

Zähle 5 Bücher auf, die ganz oben auf deiner Wunschliste stehen, die aber KEINE Fortsetzungen von Büchern sind, die du schon gelesen hast – sie sollen also völlig neu für dich sein. Danach tagge 8 weitere Blogger und informiere diese darüber.

Es ist mir ein Vergnügen. Als nächste Kandidaten auf meiner Leseliste stehen folgende Bücher:

 Simon Beckett: Verwesung

Simon Beckett: Verwesung“Verwesung” von Simon Beckett habe ich letztes Jahr bei einem Besuch im Rowohlt-Verlag mit auf den Weg bekommen (Rowohlt gehört mit zu den Läden, bei denen man nicht aus dem Haus kommt, ohne ein Buchpaket mit zu nehmen). Und obwohl das Genre der Thriller mit Serienkiller-Motiv jetzt nicht zu meinen absoluten Favoriten gehört, habe ich mir die Lektüre seitdem fest vorgenommen. Neben dem Ruf, der Beckett als Autor vorauseilt, interessiert mich an “Verwesung” noch etwas anderes: Der Krimi bringt seinen eigenen Soundtrack mit, denn dem Wunderlich-Team ist es gelungen, die englischen Goth-Rocker In The Nursery für das Projekt zu interessieren, um Musik zu der Geschichte zu schreiben. Und so liegt dem Buch eine CD bei, die entsprechende Atmosphäre schaffen soll. Scary.

Kathrin Passig/Johannes Jander: Weniger schlecht programmieren

Kathrin Passig habe ich zum ersten Mal auf der re:publica 2012 gesehen und schätze sie seitdem sehr. Ihr Schreibstil ist ebenso pointiert und scharfsinnig, wie daneben ganz oft auch schlicht brüllend komisch. Ihren Text zur Tradition der Technologie-Kritik zum Beispiel ziehe ich mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder zu Rate, wenn mir entsprechende Diskussionen im Netz begegnen. Umso gespannter war ich darauf, als ich von Ihrem Buch-Projekt über Programmierung bei O’Reilly erfahren habe, und bereits beim Probekapitel (“Mach es nicht selbst” – wer Kapitel in IT-Büchern nach Tocotronic-Songs benennt, kann kein schlechter Mensch sein…) wurde ich nicht enttäuscht: Jeder, der einmal im Leben auch nur einfache Skripte programmiert hat, wird sich hier wiederfinden, und was hier präsentiert wird, ist ebenso wahr wie witzig. Weiter habe ich es bisher leider nicht geschafft, deswegen geht “Weniger schlecht programmieren” gerade noch als Lesekandidat durch. Ich bin gespannt auf den Rest.

Ramez Naam: Nexus

“Nexus” liegt im Gegensatz den anderen Kandidaten “nur” auf meinem virtuellen SuB – der Titel ist auf Englisch erschienen und in Deutschland fast nur als eBook zu bekommen (ein weiterer Vorteil des Digitalbuchs, wenn man viel englische Literatur liest – es bestellt sich schlicht einfacher). Die Empfehlung verdanke ich Sarah Söhlemann von der Buchakademie, mit der ich die Vorliebe für Techie-Stories teile, die in der virtuellen Welt und den sozialen Netzwerken angesiedelt sind, und mehr science als fiction sind. Ramez Naam bewegt sich mit Nexus nach allem, was ich bisher gehört habe, in der Tradition von Titeln wie Daemon/Darknet von Daniel Suarez oder The Circle von Dave Eggers – allesamt Bücher, die ich verschlungen habe, weil sie nicht nur extrem spannend sind, sondern auch so realistisch, dass es einem an vielen Stellen kalt den Rücken herunter läuft beim Gedanken, wie nahe wir schon an den beschriebenen Szenarien sind.

Niall Ferguson: Der Westen und der Rest der Welt

Obwohl ich seit nun etwa 15 Jahren nichts mehr mit meinem ehemaligen Studium zu tun hatte, habe ich mir doch zur Angewohnheit gemacht, mindestens einmal im Jahr noch ein historisches Fachbuch zu lesen. Der irische Historiker Niall Ferguson ist mir deshalb aufgefallen, weil er sich ähnlich wie Jared Diamond oder Ian Morris für die Frage interessiert, wie und warum es zur Dominanz der westlichen Welt in Politik und Wirtschaft der Moderne gekommen ist – große universalhistorische Themen also. Gespannt bin ich dabei natürlich, ob Ferguson in “Der Westen und der Rest der Welt” zu ähnlichen Schlüssen kommt wie Diamond und Morris, oder noch einmal ganz andere Erkenntnisse zu bieten hat. Und ich freue mich immer daran, wenn Wissenschaftler aus dem angelsächsischen Raum schreiben: Sind Bücher von deutschen Historikern oft nahe am Rand der Unlesbarkeit, macht es gerade bei schwierigen Themen schlicht Spaß, den Stil von Autoren aus den USA und dem UK zu lesen.

Thomas Bernhard: Victor Halfwit

Der letzte Kandidat ist streng genommen kein Titel zum Lesen, sondern eher zum Anschauen und Geniessen: “Victor Halfwit” basiert auf einer (sehr kurzen) Kurzgeschichte von Thomas Bernhard, die bei Seagull Books in Kalkutta auf Englisch erschienen ist. Der Text selber macht aber nur einen kleinen Teil des Reizes aus. Vor allem ist die Geschichte von der Designerin Sunandini Banerjee kongenial mit doppelseitig gestalteten Illustrationen im Collagen-Stil in Szene gesetzt worden. Schon ein erstes Drüberblättern über ein paar Seiten und die gesamte Gestaltung zeigt: Das gesamte Artwork und Design ist einfach zum niederknien schön. Buchkunst, die man auch in Europa selten auf diesem Niveau findet, ist uns bei unserem Besuch in Indien hier in die Hände gefallen. Ich bin gespannt wie sich die Geschichte zusammen mit der Illustration liest…

Thomas Bernhard illustrated: Buchgestaltung wie aus 1001 Nacht.

Und wer ist als nächstes an der Reihe?

Nachdem das Blogstöckchen schon eine ganze Zeit lang unterwegs ist, wird das Nominieren der nächsten Kandidaten zu einer echten Herausforderung. Ein Blick in den SuB würde mich aber bei folgenden Menschen interessieren:

Svenja Walter alias MeineSvenja, Peter Schmid-Meil a.k.a derlektor, Frau eLuise, Andreas Gyo, Dennis Schmolk bei alles fliesst, Dirk von Gehlen (der der Welt eigentlich mal wieder eine neue Version schuldet) und nicht zuletzt Jan Karsten von den wunderbaren CulturBooks.

Und fangt das Stöckchen – ich bin gespannt, was bei euch so auf Halde liegt…

 

 

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  1. Pingback: Ein Blogstöckchen: Mein Stapel ungelesener Bücher : πάντα ῥεῖ – Alles fließt.

  2. Pingback: Ich möchte unbedingt lesen… | Andreas Gyo

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